Glasfaserkabel unterscheiden sich primär in der Art des Lichtleiters – also im Kern, der Lichtquelle und damit in ihren Übertragungseigenschaften. Im Wesentlichen fallen sie in zwei Kategorien: Single/Mono-mode und Multimode.
1. Kern-Durchmesser und Lichtausbreitung
- Singlemode-Kabel:
Diese Kabel haben einen sehr kleinen Kerndurchmesser (etwa 9 μm), sodass nahezu nur ein Lichtmodus (eine einzelne Lichtführung) übertragen wird. Dadurch entstehen kaum Modaldispersionen, was zu extrem niedrigen Signalverlusten führt. Das macht Singlemode ideal für hochauflösende, langstreckige Verbindungen – teils Verbindungen von mehreren Kilometern (bis zu 40 km bei OS2-Varianten) sind möglich. - Multimode-Kabel:
Hierbei ist der Kern deutlich größer (typischerweise 50 μm oder 62,5 μm). Der größere Querschnitt ermöglicht, dass mehrere Lichtwege (Moden) durch das Kabel verlaufen. Das führt jedoch zu höherer Modaldispersion und damit bei längeren Strecken zu Signalverschlechterungen, weshalb solche Kabel bevorzugt in kürzeren Netzwerken (ebenfalls bis etwa 1,1 km bei OM4-Kabeln) eingesetzt werden.
2. Lichtquellen und Anwendungen
- Singlemode:
Aufgrund des kleinen Kerns arbeitet Singlemode nahezu ausschließlich mit Laserlicht, das sehr fokussiert und geradlinig abstrahlt. Dies ermöglicht nicht nur eine stabile Übertragung über große Distanzen, sondern auch höhere Bandbreiten – Eigenschaften, die in Langstrecken- und Fernverbindungen, beispielsweise in Telekommunikationsnetzen, unabdingbar sind. - Multimode:
Multimode-Kabel nutzen typischerweise LED-Licht (manchmal auch Laserlicht bei besonders leistungsfähigen Varianten). Die breitere Lichtquelle ist zwar weniger präzise und führt zu einer breiteren Lichtverteilung, ist aber ausreichend für den Einsatz in lokalen Netzwerken (LAN, Campus-Netzwerken oder Rechenzentren).
3. Zusammenfassung in einer Übersicht
| Eigenschaft | Singlemode | Multimode |
|---|---|---|
| Kern-Durchmesser | ca. 9 μm | 50 μm oder 62,5 μm |
| Lichtquelle | Laser (punktförmig, geradlinig) | LED (breiterer Lichtstrahl) – bei speziellen Varianten auch Laser |
| Übertragungsdistanz | Sehr geringes Dispersion, ideal für Strecken bis zu 40 km (OS2) | Ideal für kürzere Distanzen (bis ca. 1,1 km bei OM4) |
| Anwendungsbereiche | Langstreckenverbindungen, Fernkommunikation | Lokale Netzwerke, Campus-Netzwerke, Rechenzentren |
| Verbreitete Standards | OS1, OS2 | OM1, OM2, OM3, OM4, OM5 |
4. Weitere Unterschiede und Installationsaspekte
Neben den rein technischen Unterschieden gibt es auch praktische Aspekte:
- Konnektoren:
Singlemode-Kabel werden oft mit APC-Konnektoren (angled physical contact) ausgestattet, um Rückreflexionen zu minimieren – ein wichtiger Faktor für Langstreckenverbindungen. Multimode-Kabel nutzen üblicherweise PC-Konnektoren (physical contact), die für die kurzstreckige Datenübertragung ausreichend sind. - Verlegung:
Beide Kabeltypen müssen beim Verlegen hinsichtlich des Biegeradius (zum Beispiel das 10- bis 15-fache des Kabeldurchmessers) und der Verlegetiefe (bei Erdverlegung meist mindestens 60 cm) sorgfältig installiert werden, um Schäden oder Leistungsverluste zu vermeiden.
Fazit
Die Wahl zwischen Singlemode und Multimode hängt stark von den Projektanforderungen ab:
- Bei Anwendungen, die hohe Bandbreiten über große Entfernungen erfordern (z. B. in der Fernkommunikation oder bei langen Verbindungswegen zwischen Städten), ist Singlemode die bessere Wahl.
- Für Anwendungen in lokalen Netzwerken, in denen die Übertragungswege relativ kurz sind, bietet sich Multimode aufgrund der geringeren Kosten und der genügenden Leistung an.